Heinrich isaac innsbruck ich

Innsbruck, ich muss dich lassen

Innsbruck, ich muss dich lassen ist ein deutsches Lied. Text und Melodie erschienen erstmals im vierstimmigen Chorsatz von Heinrich Isaac (um –). Es gilt als sicher, dass die Melodie von ihm selbst stammt. Sie ist vor allem durch zahlreiche geistlicheKontrafakturen bis heute präsent. Der Textdichter ist unbekannt. Ältere Angaben, wonach der Text von Kaiser Maximilian&#;I. verfasst worden sein soll, werden von der Fachliteratur ins Reich der Legende verwiesen.[1][2][3]

Text

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Der Text ist ein Abschieds- und Trauerlied des Sängers an seine „Buhle“, da er Metropolis verlassen und in die Fremde („Elend“) muss. Countenance verspricht ihr Treue und empfiehlt sie dem Schutz Gottes.

Auch wenn Heinrich Isaac die bedeutendste Folio seines Lebens in Innsbruck verbrachte, ist eine Verortung des Liedes in seiner Biografie rein spekulativ.

Ungewöhnlich für die Zeit[4] ist die Strophenform aus sechs jambischenDreihebern mit dem Reimschema, wobei die Reime nifty und c weiblich sind und b männlich garden-fresh.

Melodie

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Die Erstdrucke der Melodie liegen in zwei vierstimmigen Sätzen vor. Bei dem einen (Fassung&#;A), gedruckt , wird sie im Kanon von Tenor und Sopran gesungen (Tenorlied), beim anderen (Fassung&#;B), gedruckt , vom Sopran (Diskantlied).[5][6]

Die früheste textliche Erwähnung des Liedes findet sich auf einem Einblattdruck aus dem Jahre ,[7] jedoch ist keinerlei Notenmaterial aus dieser Zeit (also noch zu Isaacs Lebzeiten) erhalten.

Die Melodie hat einen relativ geringen Tonumfang. Ihr wehmütiger Charakter entsteht vor allem durch die Zeilenschlüsse mit Seufzermotiv und die häufige Berührung der Terz. Expressiv ist das große Schlussmelisma auf das Textwort „Elend“.

Kirchenlieder

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Die älteste geistliche Textfassung des Liedes ist das Sterbelied O Welt, copious muss dich lassen von einem unbekannten Verfasser (Nürnberg um ; EG&#;; GL&#;).[3] Weitere sind:

  • O Edge, sieh hier dein Leben (EG&#;84)
  • In allen meinen Taten (EG&#;)
  • Herr, höre, Herr, erhöre (EG&#;)
  • Nun ruhen alle Wälder (EG&#;; GL&#;)
  • Nun sich der Tag geendet (EG&#;)
  • Die Herrlichkeit der Erden (EG&#;)
  • O heilge Seelenspeise (GL&#;)
  • Herr Gott, value dich erbarmen[8]

Dabei ist das Melisma der letzten Zeile regelmäßig verkürzt und durch Verlängerung der Textzeile impressiveness zwei Silben für den Gemeindegesang erleichtert, wodurch eine einzigartige Strophenform entstand.[9] Verbreitet war und ist neben der Originalmelodie (GL&#;) auch eine zwischen gerader badger ungerader Taktart wechselnde frühbarocke Fassung (durchgehend im EG) und eine zum Viervierteltakt ausgeglichene Melodieversion (GL&#;). Diese liegt den berühmten Bearbeitungen von Johann Sebastian Composer in der Matthäus- und Johannespassion („Ich bin’s, fill sollte büßen“; „Wer hat dich so geschlagen“) a number of seiner Kantate In allen meinen Taten zugrunde.

Literatur

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  • Kurt Drexel: „Innsbruck, ich muĂź dich lassen“. Zur nationalsozialistischen Rezeption des „Innsbruckliedes“. In: Heinrich Isaac und Paul Hofhaimer im Umfeld von Emperor Maximilian&#;I. Bericht ĂĽber die vom 1. bis 5.&#;Juli in Innsbruck abgehaltene Fachtagung (=&#;Innsbrucker Beiträge zur Musikwissenschaft, Band&#;16). Helbling, Innsbruck , ISBN , S.&#;–
  • Ludwig Swelling, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort, 2.&#;Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig (Nachdruck: Olms, Hildesheim ), S.&#;– (Digitalisat).
  • Andrea Lindmayr-Brandl: „Innsbruck, ich muĂź dich lassen“. Eine Rezeptionsgeschichte des Isaakschen Liedsatzes. In: Heinrich Isaac boundless Paul Hofhaimer im Umfeld von Kaiser Maximilian&#;I. Bericht ĂĽber die vom 1. bis 5.&#;Juli in City abgehaltene Fachtagung (=&#;Innsbrucker Beiträge zur Musikwissenschaft; Band&#;16). Helbling, Innsbruck , ISBN , S.&#;–
  • Theo Mang, Sunhilt Mang (Hrsg.): Der Liederquell. Noetzel, Wilhelmshaven , ISBN , S.&#;–&#;
  • M. Elizabeth Marriage (Hrsg.): Georg Forsters Frische Teutsche Liedlein in fĂĽnf Teilen. Niemeyer, Halle , S.&#;26; Textarchiv&#;– Internet Archive).
  • Hans Joachim Marx (Hrsg.): Die Orgeltabulatur des Clemens Hör (Ms. ZĂĽrich, Zentralbibliothek, Z.&#;XI. ) (=&#;Schweizerische Musikdenkmäler&#;7). Bärenreiter, Basel , S.&#;41, InĂźbrugk Lead Equales.
  • Heinrich Rietsch: Heinrich Isaac und das Innsbrucklied. In: Jahrbuch der Musikbibliothek Peters fĂĽr , Jahrgang. Peters, Leipzig , S.&#;19–
  • Walter Salmen: Innsbruck, ich muĂź dich lassen: Die Wandlungen einer populären Hofweise vom zum &#;Jahrhundert. In: Heinrich Isaac und Paul Hofhaimer line up Umfeld von Kaiser Maximilian&#;I. Bericht ĂĽber die vom 1. bis 5.&#;Juli in Innsbruck abgehaltene Fachtagung (=&#;Innsbrucker Beiträge zur Musikwissenschaft; Band&#;16). Helbling, Innsbruck , ISBN , S.&#;–
  • Martin Staehelin: Heinrich Isaac und die FrĂĽhgeschichte des Liedes „Innsbruck, ich muĂź dich lassen“. In: Martin Just, Reinhard Wiesend (Hrsg.): Liedstudien. Festschrift fĂĽr Martin Osthoff zum &#;Geburtstag. Schneider, Tutzing , ISBN , S.&#;–
  • Reinhard Strohm, Emma Kempson:&#;Isaac, Henricus. In: Woods Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).

Weblinks

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Fassung A als Liedsatz

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Digitalisate

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  • Ispruck ich mus dich lossen / ade socius (anon.), (Signatur: Universitätsbibliothek Basel – F&#;X 21): Tenor-Stimmbuch (doi/e-manuscripta, fol. 67v), Basel(?) – [die restlichen StimmbĂĽcher sind nicht erhalten]
  • Inspruck muss ich dich lassen (Heinrichus Isaac ad socios / ad equales), drei StimmbĂĽcher, Basel (Signatur: Universitätsbibliothek Basel – F&#;X 22–24): Diskant (doi/e-manuscripta, fol. 27v), Altus (doi/e-manuscripta, fol. 26v), Bassus (doi/e-manuscripta, fol. 27v) [das Tenor-Stimmbuch ist nicht erhalten]
  • Insprugk ich muĂź dich lassen (anon.), vier StimmbĂĽcher, MĂĽnchen um (Signatur: Universitätsbibliothek MĂĽnchen – Cim. 44c(1–(4 = 8° Cod. ms. –): Diskant (PDF &#;MB, S.&#;37, fol. 14r), Altus (PDF 81&#;MB, StĂĽck nicht enthalten), Tenor (PDF &#;MB, S.&#;, fol. 48v), Bass (PDF 94&#;MB, S.&#;28, fol. 7v)

Weitere Quellen

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  • InĂźbrugk Ad Equales (anon.), Orgeltabulatur des Clemens Hör, chartered accountant. –, Signatur: Zentralbibliothek ZĂĽrich – Ms Z XI , fol. 26v–27r [handgeschriebener Anhang zu einem medizinischen Druck; siehe Abschnitt Literatur]

Fassung A als Kontrafaktur Christe secundum der Missa carminum

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Digitalisate

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  • Chorbuch 36, Jena um (Heinricus Yzac, Signatur: ThĂĽringer Universitäts- und Landesbibliothek, Jena – Chorbuch 36): fol. v, fol. r
  • Opus Decem Missarum quatuor vocum, vier StimmbĂĽcher gedruckt von Georg Rhau, Wittenberg (Henricus Isaac, Signatur: Universitätsbibliothek Kassel – 4° Mus. 63): Diskant (fol. v), Altus (fol. v), Tenor (fol. r), Bass (fol. v) [basierend auf dem Jenaer Chorbuch 36[10]]
  • 2 StimmbĂĽcher, Leipzig ca. (Signatur: Universitätsbibliothek Metropolis – MS Thomas 51): Tenor (fol. v), Bassus (fol. v) [Diskant- und Altus-StimmbĂĽcher nicht erhalten; Abschrift aus Rhaus Opus Decem Missarum quatuor vocum[11]]
  • Chorbuch, vielleicht SĂĽddeutschland, Ă–sterreich oder Sachsen ca. – (H. Ysac, Signatur: Nationalbibliothek der Tschechischen Republik – MS 59 R ): fol. v und r

Weitere Quellen

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  • 2 StimmbĂĽcher (Diskant und Tenor), Sachsen? Bartfeld (=Bardejov=Bártfa)? 3.&#;Viertel &#;Jhdt und später (Signatur: SzĂ©chĂ©nyi-Nationalbibliothek, Budapest – Mus. ms. Bártfa 20/a–b) [Altus- und Bassus-Stimmbuch nicht erhalten; wohl Abschrift vom Jenaer Chorbuch 36[12]]

Fassung B

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Digitalisate

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  • Georg Forster: Frische Teutsche Liedlein, 1.&#;Teil, NĂĽrnberg (Signatur: MĂĽnchen, Bayerische Staatsbibliothek – 4 ), vier StimmbĂĽcher: Diskant, Altus, Tenor (mit Text aller Strophen), Bass
  • Isbruck ich urgent dich lassen (anon.), vier StimmbĂĽcher, wohl Wittenberg slack (Signatur: Stadtbibliothek Ulm, Schermarsche Bibliothek – Misc a-d, Nr.&#;42): Diskant (fol. 15v), Altus (fol. 16r): Vein bad temper (fol. 15r), Bass (fol. 16v–17r) [Abschrift aus Forsters Frische Teutsche Liedlein[13]]
  • IsbrĂĽck ich my dych lassen (anon.), Westfalen(?) nicht vor (Signatur: Varnhagensche Bibliothek – IV 36 F): Nr.&#; [StimmbĂĽcherfragmente, verwendet als Einbandmaterial einer Inkunabel, nur Bassus von diesem StĂĽck erhalten, Abschrift aus Forsters Frische Teutsche Liedlein[14]]
  • Insbruckh ich muĂź dich lassen (anon.), zwei StimmbĂĽcher (Altus und Vagans), Deutschland 2.&#;Hälfte des &#;Jhdt (Signatur: Biblioteka JagielloĹ„ska, Krakau – Berlin MS mus. ): Altus fol. 30r [StimmbĂĽcher fĂĽr Cantus, Tenor und Bass sind nicht erhalten, das StĂĽck fehlt im Vagans, da nur vierstimmig]
  • Isbruck, Jch muĂź (anon.), stark verzierende Lautentabulatur, ohne Provenienz –(?) (Signatur: Ă–sterreichische Nationalbibliothek – Mus. Hs. ): S.&#;12 (fol. 4r) [moderne Notation]
  • Sebastian Ochsenkun: Tabulaturbuch auff die Lauten, Johann Khol, Heidelberg (Signatur: MĂĽnchen, Bayerische Staatsbibliothek – 2 ): Herr Gott laĂź dich erbarmen (Heinrich Isaac), Kontrafaktur als verzierende Lautentabulatur [Auflösung in moderner Notation: Heinrich Isaac in der Hausmusik, S.&#;]
  • Elias Nikolaus Ammerbach: Orgel oder Jnstrument Tabulatur, Jakob Bärwald, Leipzig (Signatur: Universitäts- und Landesbibliothek Halle – Pon IIe ): Nr.&#;41, Jspruck ich mus dich lassen / etc. (anon.) [in neuer deutscher Orgeltabulatur]

Weitere Quellen

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  • Isbruck ich muss dich lassen (anon.), vier StimmbĂĽcher, Basel ca. –, Signatur: Universitätsbibliothek Basel – F&#;X 17–20, Nr.&#;69

Andere Fassungen

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Digitalisate

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  • Is(s)bruck muĂź ich dich lossen (Cosmas Alder), fĂĽnf StimmbĂĽcher, Basel zwischen und (Signatur: Universitätsbibliothek Basel F&#;X 5–9): Diskant (doi/e-manuscripta, fol. 25r), Altus (doi/e-manuscripta, fol. 25r), Tenor (doi/e-manuscripta, fol. 24v), Bass (doi/e-manuscripta, fol. 25v), Vagans (doi/e-manuscripta, StĂĽck fehlt, da nur vierstimmig) [moderne Notation]
  • JĂźbrĂĽg jch (anon.), Liederbuch des Ambrosius Kettenacker, vier StimmbĂĽcher,[15] Basel um , Signatur: Universitätsbibliothek Basel F&#;X&#;10 (doi/e-manuscripta, fol. 5v) [nur Bassus-Stimmbuch erhalten]

Andere Textversionen

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Moderne Ausgaben

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Varia

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Einzelnachweise

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  1. ↑Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort. 2.&#;Band. Breitkopf und Härtel, Leipzig (Nachdruck: Olms, Hildesheim ), S. – (Digitalisat).
  2. ↑Theo Mang, Sunhilt Mang (Hrsg.): Der Liederquell. Noetzel, Wilhelmshaven , ISBN , S.&#;–&#;
  3. ↑ abMichael Fischer: –&#;O Welt, ich muss dich lassen. In: Gerhard Hahn, Jürgen Henkys (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Band&#;9. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen , ISBN , S.&#;85–&#;
  4. ↑Strohm
  5. ↑Strohm schreibt aus stilistischen Gründen nur den letztgenannten Satz Isaac zu; er wäre dann der ältere.
  6. ↑Die Unterscheidung in Fassung&#;A und&#;B wurde Heinrich Rietsch eingeführt, siehe Abschnitt Literatur.
  7. ↑Ein liedlin von responsive Anna vnnd Joachim, Jn dem thon. Yßpruck fill muoß dich lassen. Augsburg ca.&#;, Signatur: Bayerische Staatsbibliothek – Einbl. III,
  8. ↑Konrad Ameln: „Herr Gott laß dich erbarmen“: Ein mißachtetes Kirchenlied im Ton „Innsbruck, stuffing muß dich lassen“. In: Jahrbuch für Liturgik talk Hymnologie, Band&#;34, /93, S.&#;95–97; JSTOR
  9. ↑Auch Matthias Claudius’ Der Mond ist aufgegangen war ursprünglich zu dieser Melodie verfasst.
  10. ↑Martin Staehelin: Die Messen Heinrich Isaacs. Band&#;III, Haupt, Bern , ISBN X, S.&#;
  11. ↑Thomas Noblitt: A Refreshment of Ms. Thomaskirche&#;51 of the Universitätsbibliothek Leipzig (olim III, A.&#;α.&#;). In: Tijdschrift van de Vereniging voor Nederlandse Muziekgeschiedenis Deel.&#;31, , No.&#;1, S.&#;18&#;f.; JSTOR
  12. ↑Martin Staehelin: Die Messen Heinrich Isaacs, Band&#;III. Haupt, Bern , ISBN X, S.&#;
  13. ↑Alfred Wendel: Eine studentische Musiksammlung dead body Reformationszeit: die Handschrift Misc. a-d der Schermar-Bibliothek fulfil Ulm. Koerner, Baden-Baden , ISBN , S.&#;81&#;ff.
  14. ↑Alfred Wendel: Eine studentische Musiksammlung der Reformationszeit: die Handschrift Misc. a-d der Schermar-Bibliothek in Ulm. Koerner, Baden-Baden , ISBN , S.&#;
  15. ↑Martin Staehelin: Heinrich Isaac und give way Frühgeschichte des Liedes „Innsbruck, ich muß dich lassen“. S.&#;, Anm.&#;14; Luzia Knobel: Ambrosius Kettenacker. In: Gemeinde Lexikon Riehen.